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Die
Kreta-Diät, oft auch Mittelmeer-Diät genannt, ist eine Ernährungsform, die inspiriert
ist von der traditionellen Küche in den verschiedenen Mittelmeer-Ländern, die
umgangssprachlich oft als Mittelmeerküche bezeichnet wird; sie ist aber nicht mit dieser
identisch. Die Ernährungsweise in diesen Ländern gilt als besonders gesund, da mehrere
Studien in den vergangenen Jahrzehnten ergeben haben, dass die Bewohner der
Mittelmeer-Regionen seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und gerade die Menschen
auf der Insel Kreta eine über dem europäischen Durchschnitt liegende Lebenserwartung
haben.
Die als Mittelmeer-Diät publizierten Ernährungsempfehlungen entsprechen jedoch nicht
der tatsächlichen Alltagskost in Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland und auch
nicht der heute üblichen auf Kreta. Die Bezeichnung ist vor allem ein Marketingbegriff
von Autoren bzw. ein Schlagwort für eine bestimmte Ernährungsform.
Diät-Prinzipien
Die unter dem Begriff Kreta-Diät oder Mittelmeer-Diät publizierten
Ernährungsempfehlungen stellen eine spezielle Auswahl von Lebensmitteln dar, die im
Mittelmeerraum regelmäßig gegessen werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gemüse,
Salat, Obst, Fisch, Knoblauch, wenig rotem Fleisch, der Verwendung von Olivenöl sowie
täglich maximal einem Glas Rotwein. Die Zubereitungsempfehlungen unterscheiden sich
jedoch stark von der traditionellen Mittelmeerküche, in der grundsätzlich reichlich Fett
zum Braten verwendet und häufig Frittiertes gegessen wird. Durchschnittlich konsumiert
jeder Einwohner Kretas 31 Liter Olivenöl pro Jahr. Nur in Küstengebieten und auf Inseln
dominiert tatsächlich der Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten; es wird auch deutlich
mehr Wein konsumiert.
Es gibt Varianten der Mittelmeer-Diät, die speziell als Reduktionsdiät beworben
werden, grundsätzlich handelt es sich jedoch um eine ausgewogene Mischkost, die als
Dauerernährung konzipiert ist. Ohne entsprechende Kalorienreduzierung ist von dieser Kost
keine Gewichtsabnahme zu erwarten.
Studien
Die erste Studie, die Hinweise auf eine besonders gesunde Lebensweise auf Kreta gab,
war die sogenannte Sieben-Länder-Studie von Ancel Keys in den 1950er und
1960er Jahren über einen Zeitraum von 15 Jahren. Dabei wurde die Häufigkeit von Gefäß-
und Krebserkrankungen in mehreren Ländern untersucht. Die geringste Krankheitsrate gab es
damals auf Kreta, außerdem war die Lebenserwartung der Menschen signifikant höher. Es
gab kaum Fälle von Arteriosklerose und deutlich weniger Herzinfarkte als im Durchschnitt.
Laut WHO starben in den 1980er Jahren in den USA fast 40-mal mehr Menschen an Erkrankungen
der Herzkranzgefäße als auf Kreta. Aufgrund dieser Ergebnisse kamen Wissenschaftler zu
der Überzeugung, dass die Ernährung hierfür ausschlaggebend sei, die daher in den
Mittelpunkt des Interesses rückte. Vor allem dem reichlich verwendeten Olivenöl wurde
gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben, da es den Cholesterinspiegel nicht erhöht.
Als weiterer Beleg für die gesundheitsfördernde Wirkung der Mittelmeer-Diät wird
häufig die Lyon Diet Heart Study in den 1990er Jahren genannt, bei der
Herzinfarktpatienten in zwei Gruppen eingeteilt und vier Jahre lang beobachtet wurden;
eine davon ernährte sich nach der Kreta-Diät. Als Ergebnis wurde ermittelt, dass die
Kreta-Gruppe weniger Reinfarkte erlitt und das kardiovaskuläre Risiko um 50
Prozent niedriger sei. Allerdings ergab diese Studie auch, dass diese Ernährungsform
nicht wie erwartet den Cholesterinspiegel beeinflusste, auch nicht den Blutdruck und den
Body-Mass-Index. Meistens wird auch nicht erwähnt, dass bei dieser Studie das Olivenöl
teilweise durch Rapsöl ersetzt wurde, das in der Mittelmeerküche gar nicht verwendet
wird. Rapsöl hat eine ganz andere Zusammensetzung als Olivenöl und enthält deutlich
mehr Alpha-Linolensäure.
Im Jahr 2003 veröffentlichten Forscher der Universität Athen (Antonia Trichopoulou
u.a.) Ergebnisse, bei der die aktuellen Ernährungsgewohnheiten in Griechenland und
anderen Ländern in Bezug gesetzt wurden zur Sterblichkeit und zu Herzerkrankungen. Dabei
wurde festgestellt, dass ausgeprägte Mittelmeer-Kost die Lebenserwartung verlängert, und
zwar bei einem 60-jährigen Mann statistisch um ein Jahr. Nach einer amerikanischen
Studie, deren Ergebnis 2006 veröffentlicht wurde, verringert diese Kost auch signifikant
das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Selten wird in Publikationen darauf hingewiesen,
dass die griechische Studie zwar einen lebensverlängernden Effekt der Mittelmeer-Diät
für Griechenland und Spanien zeigte, jedoch keinen für Menschen in Deutschland und der
Niederlande, wenn sie sich gemäß dieser Kostform ernährten. Im Gegenteil starben
deutsche Anhänger dieser Ernährungsweise statistisch sogar früher. Auf dieses Ergebnis
wird in der Studie jedoch nicht näher eingegangen.
Bewertung und Kritik
Die Mittelmeer-Diät gilt als ausgewogene Mischkost und ist als
Dauerernährung geeignet. Publikationen im deutschsprachigen Raum nennen als Bestandteil
häufig auch Vollkorn-Produkte, die in den Mittelmeerländern de facto aber keine
nennenswerte Rolle spielen, wenn sie überhaupt gegessen werden.
Nach Erkenntnissen der Gerontologie hängt die Lebenserwartung von
verschiedenen Faktoren ab und kann nicht allein durch die Ernährung beeinflusst werden.
Die Empfehlungen der Diät basieren auf der Ernährungsweise hart
arbeitender Bergbauern auf Kreta in den 1950er und 1960er Jahren, deren Lebensbedingungen
sich deutlich von der aktuellen Lebenssituation der meisten Menschen in Industrienationen
unterscheiden. Mittlerweile ist auch auf Kreta jeder dritte Jugendliche übergewichtig
aufgrund von zu hoher Kalorienzufuhr bei zu wenig Bewegung in Büroberufen. Eine geringere
Rate von Zivilisationskrankheiten lässt sich nicht zwingend nur auf die Ernährung
zurückführen.
Die traditionelle Kost auf Kreta ist sehr fettreich. Doch längst
nicht jedes andere europäische Volk ist genetisch an einen solch enormen Fettkonsum
angepasst - was sich auf verschiedenen Chromosomen nachweisen lässt. Vergleichsessen
unter wissenschaftlicher Kontrolle ergaben, dass sich bei Kretern die Blutfettwerte nach
einer Mahlzeit viel schneller normalisieren als bei Nordeuropäern. Die hätten bei
ähnlich hohem Olivenölkonsum eher Herzkrankheiten zu befürchten.
Es wird oft nicht darauf hingewiesen, dass aufgrund der
Studienergebnisse lediglich Korrelationen hergestellt werden zwischen dem
Gesundheitszustand der Teilnehmer und ihren Ernährungsgewohnheiten, was nicht mit einem
kausalen Beweis verwechselt werden darf. Es handelt sich de facto nur um Theorien, und
diese wurden im Fall der Kreta-Diät mehrfach geändert. Eine Annahme ist, dass das Öl
der kretischen Oliven (Koroneiki) besonders gesund ist, da es einen höheren Anteil an
Vitaminen und Enzymen enthalte. Das bedeutet aber zugleich, dass andere Olivenölsorten
nicht denselben gesundheitsfördernden Effekt hätten.
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